Nach einem Artikel von Bhikkhu Bodhi aus BPS.

Im Maha Mangala Sutta, einer Lehrrede über gute Omen bzw. glückverheißende Zeichen, legt der Buddha in der ersten Strophe dar, dass höchstes Glück dadurch gewonnen wird, dass man Toren meidet und sich mit Weisen verbindet.

 

In diesem Sutta stellt eine Gottheit dem Buddha in Savatthi, im Siegerwald, im Kloster des Anathapindiko, die Frage:

"Viel` Götter sowie Menschenwesen,

sie sinnen nach, was ihnen Glück bringt.

Nach Wohlfahrt, Sicherheit sie streben,

zeig du, was höchstes Glück wohl ist."

Darauf antwortete der Erwachte:

"Mit Toren nicht verbinden sich,

verbinden sich jedoch mit Weisen,

Verehrungswürd´ge stets verehren,

das, wahrlich, ist das höchste Glück.

Der zugrundeliegende Gedanke ist, dass man nicht den Toren folgen soll, sie nicht als Vorbild für sein Verhalten oder als persönliche Richtschnur nehmen, sondern den Weisen folgen soll. "Weise" sind Wesen, die viel wissen und erfahren haben und fähig sind, praktische und heilsame Ratschläge zu geben.

"Toren" bedeutet ursprünglich "Kinder" und von daher schwache Personen, und dann törichte und dumme Menschen im Gegensatz zu den Weisen, Menschen mit unterentwickeltem Geist, deren Benehmen grob und roh ist, Unruhestifter, die dazu neigen, Ratschläge zu geben, die unheilsam und übel sind.

Die Betonung liegt hierbei darauf, sich von Menschen fern zu halten, nicht in ihre Gesellschaft verwickelt werden, die, obwohl den Jahren nach erwachsen, nicht den Liebreiz von Kindern haben, aber all ihre Fehler und Unzulänglichkeiten. Das sind die Menschen, die die Kennzeichen von Toren besitzen. Ihre Gesellschaft kann nur schaden. Sie sind gewiss sehr unglücklich, aber die Verbindung mit ihnen ist nicht glückbringend, und ihre geistige und Herzensbeschaffenheit ist solcherart, dass sie aus förderlichem Umgang keinen Gewinn ziehen. Weit davon entfernt, durch Umgang mit Guten für sich selber irgendeinen Nutzen zu erwirken, bringen sie auch einen guten Menschen in Schwierigkeiten und Gefahren.

Die Lehrreden warnen den Menschen vor der Kameradschaft mit schlechten Menschen darum, weil man in schlechter Gesellschaft sein Ohr üblen Ratschlägen leiht, durch schlechte Ratschläge ergreifen üble Gedanken vom Geist Besitz; durch solche Gedanken herrscht geistige Verwirrung vor, und die Sinnesdränge werden nicht bewacht. Entsprechend ist das Handeln und Reden, und die fünf Hemmungen (siehe dortiges Kapitel) gewinnen an Kragt, halten fest an sinnlichen Begierden und haben Leiden zur Folge.

Die Kameradschaft mit Weisen dagegen hat hat zur Folge: Das Hören guter Ratschläge, begründetes Vertrauen, edle Gedanken, klares Denken, Selbstzucht, gutes Verhalten, Sieg über die fünf Hemmungen, Erlangen von Weisheit und daraus sich ergebend Befreiung.

Der Buddha betonte wiederholt den Wert guter Freundschaft (kalyanamittata) im spirituellen Leben.

Das Pali-Wort "Kalyana-mitta" heißt wörtlich: Edler Freund. Es bezeichnete zur Zeit des Buddha einen edlen in der Lehre erfahrenen und an Jahren gereiften Mönch, der einem in der Geisteszucht ein Freund und Unterweiser ist.

"Geliebt, geachtet und geehrt,

Das Böse tadelnd, nachgiebig,

Ein Mensch, der tiefe Lehre spricht,

Nie anspornt zu verkehrter Tat:

ein mit solchen und ähnlichen Eigenschaften ausgestatteter, äußerst wohlwollender, in vorgerücktem Alter befindlicher edler Freund ist hier gemeint."

Weit davon entfernt, mit einem festgelegten, unveränderlichem Charakter in unserer persönlichen Verwandtschaft wiedergeboren zu werden, ziehen uns unsere regelmäßigen und wiederholten sozialen Kontakte in einen beständigen Prozess einer psychologischen Osmose hinein, der kostbaren Gelegenheit für Wachstum und Umwandlung anbietet.

Gute Freundschaft bedeutet im Buddhismus erheblich mehr als Sich-Verbinden mit Menschen, die man zugänglich findet und die die eigenen Interessen teilen. Sie bedeutet eigentlich, weise Gefährten auszusuchen, die Führung und Belehrung geben können. Die Aufgabe des heilsuchenden Freundes besteht nicht nur darin, für Gesellschaft beim Begehen des Weges zu sorgen. Der wahre weise und mitempfindende Freund ist einer, der, voll Verständnis und Herzenssympathie bereit ist, Kritik zu üben und zu ermahnen, auf die eigenen Fehler aufmerksam zu machen, zuzureden und zu ermutigen, und der erkennt, dass das höchste Ziel solcher Freundschaft Wachstum in der Lehre ist. Der Buddha drückt die richtige Reaktion eines Schülers auf solch einen Freund in einem Vers (Dhammapada 76) aus:

Wenn findet einen Menschen man,

der eigne Fehler uns anzeigt

und mitempfindend tadelt uns,

dann sollte man da folgen stets

dem weisen, klugen Ratgeber

wie zum verborgnen Schatz uns führt

ein Führer, der uns zeigt das Wohl.

Verbindung mit Weisen ist für die spirituelle Entwicklung so entscheidend, weil das Beispiel und der Rat eines gut gesonnenen Ratgebers oft der entscheidende Faktor ist, der die Entfaltung unserer eigenen unangezapften spirituellen Möglichkeiten weckt und nährt. Der unkultivierte Geist beherbergt eine ungeheure Mannigfaltigkeit von unrealisierten Möglichkeiten, die von den Tiefen der Selbstsucht, Egoismus und Aggressivität bis hin zu den Höhen von Weisheit, Selbstaufopferung und Mitempfinden reichen. Unsere Aufgabe, der wir uns als Nachfolger der Lehre gegenüber sehen, ist es, die unheilsamen Tendenzen in Schach zu halten und das Wachstum der heilsamen Tendenzen zu fördern, jener Eigenschaften, die zur Reinigung, zur Erwachung, zur Freiheit führen. Allerdings in einem Vakuum wachsen unsere Tendenzen nicht und schwinden nicht. Sie sind von der beständigen Einwirkung der allgemeinen Umgebung abhängig, und zu den mächtigsten dieser Einflüsse zählen die Menschen, in deren Gesellschaft wir uns befinden, jene Menschen, die wir als Lehrer, Ratgeber und Freunde ansehen. Solche Menschen sprechen leise unsere versteckten Möglichkeiten an, Möglichkeiten, die sich entweder entfalten oder schwinden unter ihrem Einfluss.

In unserem Streben nach Verwirklichung der Lehre ist es daher wichtig für uns, jene als Führer und Gefährten zu wählen, die wenigstens teilweise die edlen Eigenschaften verkörpern, die wir durch die Übung in der Lehre zu verinnerlichen suchen. Dies ist besonders notwendig in den ersten Stadien unserer spirituellen Entwicklung, wenn unsere Bestrebungen noch frisch und empfindlich sind, verwundbar und zerstörbar durch innere Unentschlossenheit oder Mutlosigkeit, hervorgerufen durch Bekannte, die nicht unsere Ideale teilen. In dieser frühen Phase gleicht unser Geist einem Chamäleon, das seine Farbe entsprechend dem Hintergrund ändert. Gerade so wie diese bemerkenswerte Eidechse im Gras grün wird und braun auf der Erde, so werden wir Toren, wenn wir uns mit Toren verbinden, und Weise, wenn wir uns mit Weisen verbinden. Innere Veränderungen finden im Allgemeinen nicht plötzlich statt, sondern langsam. Durch so geringe Zunahmen, dass wir ihrer nicht gewahr werden, machen unsere Charaktere eine Wandlung durch, die sich am Ende als dramatisch bedeutungsvoll erweist.

Wenn wir uns eng mit jenen verbinden, die sich sinnlichem Vergnügen, Macht, Reichtum und Ruhm hingeben, sollten wir nicht denken, dass wir gegen solche Süchte immun bleiben: Mit der Zeit wird unser eigenen Geist, unser eigenes Herz den gleichen Zielen zuneigen. Wenn wir uns eng mit jenen verbinden, die sich nicht moralischer Rücksichtslosigkeit ergeben haben, aber ihr Leben behaglich an weltliche Alltäglichkeiten angepasst haben, werden auch wir fest in den Gleisen des Alltäglichen stecken bleiben. Wenn wir nach dem Höchsten streben - nach den Gipfeln transzendenter Weisheit und Befreiung - dann müssen wir uns mit jenen verbinden, die das Höchste verkörpern. Auch wenn wir nicht das Glück haben, Gefährten zu finden, die schon die Höhe erklommen haben, können wir uns wohl zu den Glücklichen zählen, wenn wir uns mit einigen spirituellen Freunden treffen, die unsere Ideale teilen und ernsthafte Anstrengungen machen, gute lehrgemäße Eigenschaften in ihrem Herzen zu nähren.

Wenn wir die Frage aufwerfen, wie gute Freunde zu erkennen sind, wie man gute von schlechten Ratgebern unterscheidet, gibt uns der Buddha einen kristallklaren Rat. In der Rede "Vollmond II" (Majjhima Nikaya 110) erklärt er den Unterschied zwischen der Kameradschaft mit einem schlechten Menschen und der Kameradschaft mit einem guten Menschen. Der schlechte Mensch wählt zu seinen Freunden und Gefährten jene, die ohne Vertrauen sind, deren Verhalten gekennzeichnet ist durch die Abwesenheit von Scham und Scheu (siehe dortiges Kapitel) vor Schlechtem, die keine spirituellen Lehren kennen, die faul sind, ohne Selbstbeobachtung und ohne Weisheit. Wenn man solche schlechten Freunde als Ratgeber wählt, hat das zur Folge, dass die schlechte Person zu ihrem eigenen Schaden plant und handelt, zum Schaden anderer und zu beider Schaden, und Kummer und Elend erlebt.

Im Gegensatz dazu, fährt der Buddha fort, wählt der gute Mensch als Freunde und Gefährten jene, die Vertrauen haben, die Scham und Scheu vor Schlechtem zeigen, die die Lehre kennen, tatkräftig in der Ausbildung von Geist und Herz sind, an Selbstbeobachtung gewöhnt und voll Weisheit. Dadurch dass der gute Mensch Zuflucht zu solchen guten Freunden nimmt, sie als Lehrer und Führer ansieht, betrachtet er ihre Eigenschaften als seine eigenen Ideale und nimmt sie in seinem Charakter auf. Indem er sich so selber immer näher zur Erlösung zieht, wird er seinerseits ein Leuchtturm für andere. So einer ist fähig, jenen, die noch im Dunklen wandern, ein inspirierendes, nachahmenswertes Vorbild zu bieten. Er ist ihnen ein weiser Freund, an den man sich wegen Führung und Rat wenden kann.

So wie dem sauberem Köcher von einem hineingesteckten mit Gift bestrichenen Pfeil auch Gift anhaftet, so auch nimmt man von solchen, mit denen man umgeht, allmählich deren Eigenschaften an. Darum wird sich ein Mensch, der um sein Heil besorgt ist, nicht mit einem Schlechten verbinden. Wie das duftende Kusagras, wenn ein Mann damit einen stinkenden Fisch umwickelt, bald auch Fäulnis aushaucht, so sind die, welche sich mit Toren verbinden. Und wie selbst stinkendes Laub, wenn ein Mann darin Sandelholz einpackt, bald auch Wohlgeruch aushaucht, so sind die, welche mit Weisen sich verbinden. Deshalb wird der Verständige nicht den Schlechten ergeben sein, den Guten ehrerbietig sich erweisen. Die Schlechten leiten abwärts in den Untergang, die Guten führen aufwärts. (It 76)

Wir dürfen in der heutigen Zeit in unserer Gesellschaft aber auch nicht die Probleme ignorieren, die im Umgang mit spirituellen Lehrern auftreten können. Davon handelt das Kapitel "Lehrer/Gurus".

"Edle Freunde sind solche, die uns auf unsere Fehler aufmerksam machen, statt mitleidig auf unsere Schwierigkeiten einzugehen und uns darin zu bestärken, wie schlecht uns die ganze Welt behandelt hat. Ein edler Freund hilft uns, das, was in uns vorgeht, zu erkennen." (Ayya Khema)